Gerecht oder nicht gerecht – die wahren Maßstäbe für Vorstandsvergütungen

Aufsichtsräte in der Diakonie und Sozialwirtschaft

Es gibt keine gerechte Vorstandsvergütung, weder in der Sozialwirtschaft (tendenziell zu wenig) noch in der Wirtschaft (häufig zu viel)! Diese Grundaussage ist unbefriedigend, aber die Klammerbemerkungen werden bei vielen Sozialwirtschaftsvorständen Entzücken auslösen.

Wer jetzt in Freudengeheul ausbricht, freut sich zu früh. Der einzige wirklich objektive Maßstab ist nämlich, das berufliche Erfahrungsumfeld des Aufsichtsratsvorsitzenden. Wer es hier mit Menschen aus ehrbaren Berufen wie Lehrer, Pfarrer, Oberamtsrat, aber gerne auch mit beamteten Verwaltungsjuristen zu tun hat, der wird als Vorstand eher darben müssen. Der eigene Lebenskreis, sei er nun eng oder weit, dominiert die individuelle Vorstellung von Führungsgehältern. Das Sein bestimmt eben auch hier das Bewusstsein.

Dazu kommt noch, dass sich viele Aufsichtsräte und ihre Vorsitzenden schwertun, womöglich auch noch jüngere Vorstände deutlich besser finanziell auszustatten, als sie das selbst in der Blüte ihrer Berufsjahre waren.

Dumm gelaufen, müsste man sagen.

Aber im Ernst:

Die Spitzengehälter "da draußen" in der Wirtschaft sind in der Regel mit einem hohen persönlichen Risiko verbunden. Fehlentscheidungen werden höchstens zweimal toleriert, dann fällt das Beil. DAX-Vorstände sind oft nur wenige Jahre im Amt. Dafür werden sie gut abgefedert.

Auch bei den weltlichen Wohlfahrtsverbänden ist das Risiko relativ hoch. Insbesondere die Lebenshilfe hat einen hohen Verschleiß an Führungskräften. Das hängt auch mit dem hohen Anteil an „Betroffenen“ in den Gremien zusammen. Eltern im Aufsichtsrat denken immer zuallererst an die Sicherheit ihres (meist längst erwachsenen) „Kindes“. Damit sind Innovationen erschwert und alles Neue ist für die Geschäftsführung riskant.

Anders in der kirchlichen Sozialwirtschaft. Bei Diakonie und Caritas sind „Langläufer“ die Regel. Das ist natürlich keine Begründung für die Gehaltshöhe, aber immerhin ein Anhaltspunkt. Man kann jedenfalls in relativer Ruhe und Sicherheit auf sein weiteres Berufsleben schauen.

Aber zur Praxis: Es lässt sich beobachten, dass kleinere Diakonie-Unternehmen (von 100 bis zu 500 Beschäftigten) gehaltsmäßig nach oben drängen. Kaum ein Vorstand, der noch unter TE 100 nach Hause geht, auch wenn der Umsatz noch im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegt. Häufig steigen die Gehälter anlässlich eines Generationenwechsels. Das ist schön für die Neuen und verletzend für die Alten.

Anders läuft es bei den mittleren und größeren Werken. Das Geschäftsvolumen und die Mitarbeiterzahl sind um ein Vielfaches höher, aber die Vorstandsgehälter entwickeln sich nicht linear zur Größe. Das hat auch mit der unausgesprochenen aber faktisch vorhandenen Orientierung an der Besoldung von kommunalen Wahlämtern zu tun. Viele Sozialunternehmen haben kommunale Wurzeln oder sind eng mit der jeweiligen Kommune verbunden. Bürgermeister oder Landrat sitzen im Aufsichtsgremium. Bei kirchlichen Werken ist das ganz ähnlich. Damit gibt es unausgesprochene rote Linien. Eine von diesen Linien verläuft irgendwo bei 150 T€ Jahreseinkommen, eine zweite bei 200 T€.

Aber wo sind die sinnvollen Maßstäe, nach denen zu richten sich lohnt?

Ergebnisse

Sie reflektieren Ihr eigenes und Ihr organisationales Umgehen mit der Frage gerechter Vergütung Ihrer Top-Führungskräfte.

Schwerpunkte

Woran orientieren Sie sich bei der Vergütung Ihrer Top-Führungskräfte?

 

Informationen

28. November 2023 | 08:30 - 10:00 Uhr

12 Teilnehmende
Aufsichtsräte und Vorstände oder Geschäftsführungen in Diakonie und Sozialwirtschaft

175,00

Veranst.-Nr.: 510880

Methoden

Input und Plenumsgespräch

Dozierende

Prof. Dr. Martin Beck, Unternehmensberater, Pliezhausen

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Kontakt

Inhaltliche Anfragen

Dr. Lars Charbonnier
0172-739 28 50

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